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60. Seetraversierung - Wädenswil ZH

Sonntag, 28. August 2016

In diesem Jahr stand die 60. Seetraversierung in unserer Vereinsgeschichte vor der Türe und da wollten wir natürlich vom OK her den diesjährigen Teilnehmern etwas Spezielles bieten. Entsprechend früh traf sich das Organisationskomitee um erste Ideen zu sammeln. In einem Brainstorming wurden die ersten Ideen entwickelt.

Da wir ja eine Rettungsorganisation sind, mussten wir bei der Umsetzung der Ideen natürlich auch auf unser Sicherheitskonzept und vor allem auf die Sicherheit der Schwimmer achten. So musste dann leider schweren Herzens das Cüppli auf dem Floss in der Seemitte gestrichen werden. Wir wollten ja keine betrunkenen Schwimmer auf dem See und wer soll den Champagner, der vom aufgeschaukelten Seewasser wohl nur so aus der Flasche schiessen würde, in Gläser abfüllen? Immerhin blieben vorerst die Alphornbläser auf dem Floss stehen. So ging es denn nach der Sitzung auf, erste Abklärungen zu tätigen, ob die verbliebenen Varianten durchführbar wurden.

Die nächste Sitzung musste ich mit einer Hiobsbotschaft starten. Die SLRG Geschäftsstelle hatte mir ein Riesen-Ei gelegt – dabei war nicht mal Ostern…. Trotz mehrmaliger Nachfrage und Rückbestätigung nach dem Datum der Schweizermeisterschaften (SM) hatte ich an einer SLRG-Sitzung erfahren, dass die SM nun doch genau an unserem geplanten Seetradatum stattfinden würde. „Ja läxx mer am Axxxxx“ genau das habe ich gebraucht!!! Nun bestand die Hauptarbeit vorerst einmal darin, schnellstmöglich ein neues Datum für die Seetra zu suchen, da sonst zu viele Rettungsschwimmer abwesend sein würden. Machen wir die Seetra nun eine Woche vorher oder nachher? Sicher warme Seetemperaturen dafür mehr Leute in den Ferien gegenüber sicher genügend Personen nach den Ferien dafür allenfalls tiefere Wassertemperaturen??? Mit einer Stimme mehr fiel der Entscheid auf die Woche danach. Wie sich herausstellen sollte, der beste Entscheid.

Das erfahrene OK liess sich nicht weiter aus der Ruhe bringen und arbeitete fleissig an der Durchführung der Jubiläums-Specials. Das hiess nun, dass die Alphornbläser nun vom Floss in den Start- und Zielbereich wechselten, denn die Version mit dem Floss wäre doch zu heikel. Wind und Wellen können es wegschieben, die Jungs könnten über Bord fallen usw. usw. Ja, ja der Wassersicherheits-Check der SLRG ist Kinderkram gegenüber den Überlegungen, die wir uns stellen müssen...

Natürlich möchten wir den Schwimmerinnen und Schwimmern neben urchigen Klängen auch noch eine Erinnerung mitgeben. So ein schönes Giveaway [Giväwäy] wäre schon toll, aber was? Es findet sich nichts Schlaues. Die beste Idee ist da noch die von Michi mit einer coolen Sonnenbrille, aber ehrlich gesagt habe ich schon von zwei Versicherungen und einer Bank Brillen zu hause. Wie sich herausstellt nicht nur ich… Auf einmal die zündende Idee. Wir könnten doch coole Schlüsselanhänger in unseren Vereinsfarben und mit unserem Logo herstellen. Gesagt getan und ehrlich gesagt bin ich ziemlich stolz auf das, was dabei herausgekommen ist. Auf alle Fälle gingen die Dinger nicht nur bei den Teilnehmern weg wie warme Weggli!

Ja und dann kam Sie, die Woche vor der Seetra. Wer jetzt denkt, die Seetra selber wäre das grosse Zitterdatum, der irrt. Die Woche vor der Seetra ist für mich als OK-Präsident wohl die anspruchsvollste Zeit. Da möchte mein Chef-Verpflegung jeweils am Mittwoch wissen, mit wie vielen Teilnehmern ich am Sonntag rechne. Da darf ich diversen Zeitungen Interviews geben und da wird die Meteo-Homepage und die Homepage mit der aktuellen Wassertemperatur täglich überprüft. In diesem Jahr war das aber eine gaaanz lockere Sache – im Vergleich zu andern Jahren – denn die Wettervorhersage für das Wochenende war perfekt und die Wassertemperaturen lagen weit über dem kritischen Punkt. Einzig die Anzahl Schwimmer war in diesem Jahr die grosse Frage.
So waren  wir denn am Sontag ganz gespannt. Und wir wurden von unseren treuen Schwimmerinnen und Schwimmern grosszügig belohnt. Sage und schreibe 705 Personen schwammen bei besten Bedingungen über den Zürichsee. Und das schönste aus OK-Sicht, es war absolut ruhig. Der Funk quäkte nur mal ab und zu, sämtliche Schwimmer legten die Strecke im Wasser zurück, alles Gepäck war da und bis auf ein paar Verpflegungen reichte das Essen auch. So konnte ich dann der Seepolizei den Schluss der Seetra mit lauter glücklichen Schwimmern melden, was die Polizei ebenfalls schmunzelnd zur Kenntnis nahm.

Das eine Seetra so reibungslos abläuft ist keine Selbstverständlichkeit. Vor allem in den letzten Minuten vor dem Ende laufen die Drähte meistens heiss. Da wollen wir wissen, wie viele Leute noch auf dem See sind und ob wir noch genauso viele Leute im Ziel erwarten. Ja, ja wir wissen ganz genau, wer noch auf dem See sein muss und das ist auch gut so, denn es war schon mal anders…  Es war einmal eine Seetra in der wunderschönen Schweiz am wunderschönen Zürichsee in den 90er Jahren. Damals waren ganz viele Leute am Start und die Mehrweg-Badekappen waren noch aus Stoff, mit einer Nummer versehen und mussten am Kinn zugeschnürt werden. Wenn die Schwimmer ins Ziel kamen, wurden die Badekappen eingesammelt und gleich notiert. Tja und da fehlte auf einmal eine Badekappe. Hatte die der Schwimmer nicht abgegeben, oder war er einfach mit dieser auf Tauchstation gegangen? Zweites wäre natürlich für uns sehr ungünstig gewesen. Ein Anruf zu Hause beim Schwimmer verschaffte uns auch keine Erleichterung, da der Herr noch nicht zu Hause eingetroffen war. In der Zwischenzeit rechneten wir schon mit dem Schlimmsten und die Polizei wurde eingeschaltet. Dann kam doch noch am Nachmittag der erlösende Anruf. Der Herr hatte sich zu einer Dame auf ein Schiff begeben und den Rest des Morgens bei dieser Dame auf dem Schiff verbracht. Von unseren Sicherheitsvorkehrungen und dem Anruf bei der Frau ahnte er natürlich nichts… Tja ich denke der Schluss dieser Geschichte lautet nicht: „Und wenn Sie nicht gestorben sind, leben Sie weiter glücklich und zufrieden miteinander – also zumindest nicht der Herr und seine Frau ….).

Aber zurück in die Gegenwart. Für mich war diese Seetra auch ein kleines Jubiläum. Einem Viertel sämtlicher Seetras – für die nicht so Zahlenaffinen: es sind 15 – durfte ich als OK-Präsident vorstehen. In diesen 15 Jahren hat sich die Seetra mächtig verändert. Aber glücklicherweise muss ich das nicht alles alleine stemmen und kann mich seit ebenso vielen Jahren auf ein äusserst erfahrenes, selbständiges und sehr aktives OK verlassen. Dies hat sich besonders bei dieser Jubiläumsausgabe wieder gezeigt. Darum möchte ich auch diesen Personen einmal ganz offiziell meinen Dank aussprechen.

Das wäre als erstes: Schlaflosmichi - Michael Vogt. Michi war vor mir lange Jahre OK-Präsident und hat sein Seetra-Trauma (siehe Es war einmal…) auch als Chef-Sicherheit nicht ganz verloren und schläft heute noch regelmässig die Nacht vor der Seetra schlecht. Michi nimmt mir die nervenaufreibende Arbeit ab, sich um die Rettungsschwimmer zu kümmern und denen nachesecklä, welche partout das Gefühl haben, dieser Einsatz gehe sie nichts an.

Als nächstes Böötliluzi – Luzi Klemm. Er geht jedes Jahr auf die Suche nach Booten für unsere Bootskette. In den letzten Jahren ein Job der immer schwieriger wird. Trotzdem steht Luzi mit seinen vielen Kontakten am Schluss immer mit genügend Booten auf dem See und organisiert so kurz nebenbei noch diverse Seerettungsdienste, welche uns an der Seetra auch unterstützen.
Dann wäre da noch Futterschtee – Stefan Berg. Er schaut, dass alle Schwimmer genügend zu futtern und zu trinken haben. Sein grösseres Problem ist aber eher der Kühlwagen, der jedes Jahr organisiert werden muss. Trotzdem schafft er es jedes Jahr wider, so einen Kühlwagen oder Anhänger ins Sträme zu bringen.

Ein weiteres wichtiges OK-Mitglied ist Hammermärtel – Martin Stalder. Martin hat sein Jahren den Zielraum komplett unter Kontrolle. Er muss jeweils schon am Samstag ran und das Zielgelände aufbauen… und manchmal am Sonntag nochmals aufbauen, weil ein Sturm oder Nachtbuben das Zielgelände flachgelegt haben. Auch dürfen wir immer wieder von seinem Dad [Däd] die Transporter für die Kleider von Männedorf haben.

Ja dann hätten wir noch unser Saniursi – unsere Ursula Romer. Sie ist wohl das OK-Mitglied mit den meisten OK-Jahren, denn Ursula hatte dieses Amt schon inne, als ich in den Verein eintrat. Ursula kümmert sich mit ihrem Team immer sehr liebevoll um die Schwimmer, welche die Seetra nicht beenden können. Und mit dem Funk in der Hand sorgt Sie vor der Seetra dafür, dass die Bojen über den See in Reih und Glied stehen.

Sie macht das Zusammen mit den beiden Heinzelgrafen - Patrik und Peter Graf. Die Jungs schauen, dass die MS-Etzel am Sonntag anlegen kann, setzen die Bojen am Morgen über den See und bringen uns die Schwimmer, welche aussteigen an Land. Und nachher räumen Sie natürlich auch alles wieder zusammen. Schön, dass mit Gary jetzt bereits die dritte Grafengeneration dabei ist.

Und seit diesem Jahr neu in der Runde. Klimperkarin – Karin Wattenhofer. Sie schaut zusammen mit grosser Unterstützung durch unsere Vereinskassierin Charlotte Zysset, dass der Rubel rollt und die Kasse klimpert. Mit dem wohl grössten Team schaut sie, dass sich auch alle Schwimmer einschreiben und dass wir am Schluss im Ziel alle Badekappennummern abgestrichen haben. 
Ohne Euch, liebe OK-Mitglieder wäre so eine Seetra nicht zu stemmen. Darum ganz vielen Dank, dass ihr mir so viel Arbeit abnehmt, damit ich mich auf die Organisation konzentrieren kann. Ein weiteres Dankeschön geht natürlich an alle die Vereinsmitglieder, welche uns vom OK auch in diesem Jahr wieder tatkräftig unterstützt haben. In diesem Jahr war ich enorm über euren Einsatz begeistert. Dies sind jetzt keine leeren Worte, denn so gut wie in diesem Jahr war noch selten auf die Schwimmer geachtet worden und am Schluss beim Aufräumen… aber hallo, das ging superfix.

Ja und das letzte Dankeschön gehört allen unseren externen Unterstützern. Uns helfen immer wieder viele Familienmitglieder, Freunde, Verwandte, Schatzis und und und. Wir vom Verein könnten diese Grossorganisation nicht mehr alleine bewältigen und sind auf externe Hilfe angewiesen. Also danke euch Seerettern, Böötlern, Einschreibern, MS-Etzel-Bootsbesatzung, Esseneinpackern, Bouillonkochern und Gepäckfahrern.

Ich freue mich schon auf die nächste Seetra. Das erste Organisatorische ist natürlich schon erledigt…

Von Roganisator Roger Kälin


Alle der 706 beteiligten Schwimmer erreichten problemlos ihr Ziel: die 2,5 km lange Überquerung des Zürichsees zwischen Männedorf und Wädenswil.  Die Traversierung ist nicht nur die längste, sondern auch die älteste im Zürichsee. Dazu beigetragen haben natürlich auch die sensationellen Wetter- und Wasserbedingungen. Idealere Bedingungen als 24 Grad Wasser- und 26 Grad Luft-Temperatur, und erst noch ruhige See,  kann man fast nicht erwarten. So freuten sich alle Teilnehmer nach ihrer Ankunft über das Erreichte; haben sie doch nicht oft die Möglichkeit, einmal gefahrlos den See zu durchqueren.

Die Sicherheitsvorkehrungen  bei einem solchen Anlass sind gewaltig, und das Wichtigste für die Organisatoren. 20 Boote mit ihren Bootsführern und einem Rettungsschwimmer sicherten die 2,5 km lange Strecke ab. Dazu kamen vier Boote des Seerettungsdienstes, ein Transportboot für allfällige Aussteiger, sowie das Besenboot, das den letzten Schwimmer begleitete. Vor dem Ziel sicherten 4 Rettungsschwimmer auf Rettungsbrettern die letzten Meter der doch bereits ermüdeten Schwimmer. Beim Ausstieg erwarteten sie der Vereinsarzt der SLRG, Dr. Blickensdorfer; seinem prüfenden Blick würde nichts entgehen. Meist wurde er als Zeitableser angefragt, was wohl eher weniger in seinem Alltag vorkommt.  Dankbar nahmen die Schwimmer ihre wohl verdiente Bouillon und die Zwischenverpflegung in Empfang, welche von den ältesten aus der Jugendgruppe abgegeben wurde.
 
Ein Jubiläum konnte die aktive Sektion Wädenswil dieses Jahr feiern! Obwohl die Traversierung ihr 60-Jahr-Jubiläum feierte, fand die Überquerung nicht zum 60. Mal statt. Die Organisatoren mussten sie etwa dreimal absagen, da das Wetter zu schlecht war. Eine Verschiebung ist jeweils nicht möglich, da der Aufwand, die Rettungsboote umzudisponieren, zu gross wäre. Als Jubiläums-Überraschung  erwarten zwei Alphorn-Bläser  die Schwimmer und ihre Fans. Sie erfreuten sowohl die in Männedorf Wartenden wie auch die bereits Geschwommenen im Strandbad Wädenswil.
 
Glücklich waren am Schluss nicht nur die Schwimmer, sondern auch die Organisatoren. Dass ein so grosser Anlass ohne Zwischenfälle von statten geht, ist nicht selbstverständlich. Schwimmer und Organisatoren können stolz auf ihre Leistungen sein!

HERZLICHEN DANK ALLEN!

Von Ursula Romer
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                                                                  SLRG Wädenswil 2019-10-02 Martina Camenzind
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