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Besuch der DLRG Heidelberg - Wädenswil ZH

Freitag, 28. bis Sonntag, 30. November 2016

Freitag, 28. November 2016

Voller freudiger Erwartung auf die deutschen Rettungsschwimmerfreunde, welche uns alle zwei Jahre offiziell, sowie jährlich noch ein paar mal mehr inoffiziell besuchen, folgten einige der Wettkampfgruppe nach dem schweisstreibenden Training dem Rufe des Organisators Michael Vogt in das Pfadiheim. Das lauschige Häuschen war wieder einmal die Unterkunft der Deutschen für das kommende Wochenende. Die verbrannten Kalorien wurden auch sogleich wieder zugeführt und Kindheitserinnerungen geweckt, als am knisternden Lagerfeuer Würste an Holzstäben gebraten wurden. Nur Geschichten wurden noch nicht erzählt, geschweige denn geschrieben: man kann auf den kommenden Tag gespannt sein!

Samstag, 29. November 2016

Der Mond versank mit den funkelnden Sternen, und das zarte Schleierband der Milchstrasse überspannte langsam verblassend den morgendlichen Himmel über dem Vierwaldstättersee. Kaum spürte man das leise Lüftchen, das vom Gotthard her über den Urnersee strich und mit dem tanzenden Widerschein des Morgenlichts spielte. Majestätisch reckten die Urner- und Schwyzerberge ihre zackigen Häupter zum Himmel empor. Ringsum war alles still wie im schweigenden Raume eines Domes. Mensch und Tier erhoben sich sanft aus dem tiefen Schlaf. Einige Rettungsschwimmerfreunde nahmen dafür die Hilfe von Kaffee in einem nahe am Hafen gelegenen Restaurant in Anspruch. Die anderen vertrieben sich die Zeit, bis das Schiff ablegte auf dem Spielplatz oder mit sonstigen Dingen, die Rettungsschwimmer eben tun.

Über der waldumsäumten Rütliwiese surrte eine Drohne. Dort wachten ein paar traditionell rotgekleidete Skilehrer mit ihrem grotesk wirkenden Wesen mit den weissen Ohren. Sie redeten wenig. Umso aufmerksamer horchten sie gegen den See hinunter. Manchmal erhob sich der von Instruktoren belagerte Michael Walter Vogt oder Fürst und schritt, tief in Gedanken versunken, zum Rande der Wiese, von wo aus er gegen Brunnen hinüberblickte. Wie Firnschnee strahlte sein weisses Haupthaar (entschuldige Michi, aber die Worte sind so klangvoll) im Sonnenlicht.

Vom See herauf klatschten die Ruderschläge eines motorisierten Ungeheuers. Die Rettungsschwimmerfreunde nahten heran. Sie landeten mit ihrem Dampfschiff, welches die beiden historischen Nauen ersetzte (die muntere Truppe hätte die Nutzlast bestimmt überschritten) und stiegen den steilen Hangweg empor zu dem nicht mehr so geheimen Platz auf der Rütliwiese. Ab Yberg stützten sie den alten deutschen Didi (zu schweizerdeutsch: Konrad Hunn), weil diesen die schwanken Beine eines baldigen Pensionärs kaum mehr zu tragen vermochten. Michael Walter Fürst oder Vogt schritt den Freunden entgegen und begrüsste zuerst mit innigem Händedruck seinen geliebten Freund Andreas Keller (zu schweizerdeutsch: Werner Stauffacher), der Präsident der DLRG Heidelberg. Hierauf begaben sie sich zu einer alten, knorrigen Föhre, wo die Urner Skikameraden ihre Schwyzer Rettungsschwimmerfreunde mit tobendem Jubel empfingen. Bald tauchte aus dem Walde die Nachhut auf. Die Kapuzen der Hirtenhemden hatten sie über den Kopf gezogen, und in den Händen hielten sie knorrige Kinderwagen. Die Unterwaldner waren es, die aufgrund des schweren Gefährts einen etwas weniger steilen, aber nicht minder anstrengenden Aufstieg in Anspruch nahmen. Am frühen Abend schon hatten sie daheim ihre Höfe verlassen und waren, geführt vom jungen Arnold, zum versteckten Platz gekommen. Müde und doch zufrieden setzten sie sich unter dem alten Gehölze nieder. Nachdem alle einander begrüsst hatten, stieg Werner Stauffacher auf einen Stein, von dem aus er die Rettungsschwimmerschar aus den drei Tälern gut überblicken konnte.

«Rettungsschwimmer», begann er in feierlichem Tone zu sprechen, während die Freunde sich erhoben, «im Namen Gottes stehen wir hier und reichen einander die Hände. Ein Wille, ein Ziel einigt uns: Leben wollen wir Retten! In tiefster Freundschaft versprechen wir, einander zu helfen, im Kampfe gegen die Ertrinkenden zusammenzustehen und uns vor keiner fluiden Naturgewalt zu beugen. Ist einer unter euch, der nicht bereit ist, sein Leben, sein Gut und sein Blut zu opfern, so verlasse er den Kreis!»

Keiner regte sich, alle schwiegen. Da sprach Stauffacher mit feierlichem Ernste das Gelöbnis: «So erhebet, meine Freunde von Uri, Schwyz und Unterwalden, eure Hand zum Schwure! Der dreieinige Gott sei Zeuge, dass wir beschlossen haben, die Ertrinkenden vor dem ertrinken und dem versinken zu schützen, für sie und ihre Kinder!» Wie ein heiliger Chor erklang der Schwur über den Stillen See: «Wir geloben es.» Die Hände senkten sich, und in das versunkene Schweigen sprach Michi Walter Fürst oder Vogt andächtig wie ein Gebet die Worte: «Gott sei mit euch und eurem Bunde, meine Rettungsschwimmer!».

Mit vor Stolz geschwellter Brust machten sich die Rettungsschwimmerfreunde begleitet von harmonischen Alphornklängen auf den Abstieg zu den dampfenden Zeitmaschinen. Nach einer kurzen Verpflegung in Brunnen führte der Weg erneut hoch hinaus: oberhalb des Vierwaldstättersees in Morschach, auf einem Hochplateau mit traumhafter Aussicht auf den Vierwaldstättersee und in die Urner Alpen, befindet sich der grösste Ferien- und Freizeitresort der Schweiz. Und zwar wurden die Rettungsschwimmer von einer ganz besonderen Sache, ja im Gegensatz zu vorhin einer völlig futuristischen Idee angelockt: der Outdoor Elektro-Kartbahn!
Die Elektromotoren heulten in der Boxengasse sirrend auf und mit beinahe ohrenbetäubender Lautlosigkeit begaben sich die Rennfahrer mit ihren Rennboliden in zwei aufeinanderfolgenden Gruppen an den Start. Die deutschen Elektrokartfahrer-Stigs, anscheinend motiviert durch das unzufriedene Gebrüll des kleinen Jeremy Clarkson am Streckenrand, holten jeden Kubikzentimeter aus ihren 2-Takter (0.23 Liter Puchmotor) heraus, was seiner Fahrweise mit der Power eines Hubraums der Grösse einer zerquetschten Baywatch-Boje, der Traktion eines Nilpferdes auf Stelzen und dem Gripp eines Sorbets auf einer angeheizten Kupferplatte einen speziellen Touch verlieh. Hätte die Fahrt über die TopGear-Teststrecke geführt, wäre der Kart spätestens im Gambon-Corner auf der Seite liegendes, ausgebranntes Altmetall gewesen.

Die Schweizer Ferrari-Fahrer waren wie Clay Regazzoni mit den falschen Stossdämpfern unterwegs, und versuchten in der Auftaktrunde die deutschen Fittipaldis von der Strecke zu drängen. Als hätten die Schweizer nichts aus dieser Geschichte gelernt, ging der Schuss auch dieses Mal nach hinten los. Trotz atemberaubenden und eindrücklichem Fahrstil legten die Schweizer in den ersten 10 Minuten eine Strecke von drei Kartlängen zurück. Selbst Captain Slows Bestzeit mit dem Dreirad auf dem Nürburgring hätte die Rundenbestzeit bei weitem unterboten und somit schaute schlussendlich nicht mehr als der hervorragende dritte Rang für die Schweiz heraus! Doch die Mühe, dem Mini-Jeremy zu imponieren, wär vergebens: der sass längst mit einer jungen Dame auf dem Kinderkart und war mit anderem beschäftigt, als das Renngeschehen zu verfolgen.

Bei einem Festschmaus im Schützenhaus Au wurde der Tag mit einem Spaghetti Plausch gebührend abgeschlossen.

Sonntag, 30. November 2016

Der Zwerg Michael Vogt, Erbe des Königs unter dem Berg und der rechtmässige König Erebors, machte sich im Jahr 2941 D.Z. mit seinen Gefährten und einem Hobbit auf, um Smaug zu vernichten. Ihr Ziel war dabei, die Heimat der Zwerge und den von Smaug gehüteten Zwergenschatz zurückzuerobern.

Leider fanden die Zwerge in die dunklen, staubigen Tiefen der Vergangenheit in Form vom Bergwerk Käpfnach in Horgen keinen Schatz Erebors. Dafür aber fanden sie einen anderen Schatz: in Form von Geschichtswissen. Nach einem Film über die Tätigkeit im Kohlenbergwerk, korrigierten Essgewohnheiten der Bergwerkarbeiter und vielen anderen witzigen Anekdoten ging es mit Helmen für den Kampf gerüstet mit der Stollenbahn auf in die Dunkelheit. Die Kuscheleinheiten der wie Hühner auf der Stange aufgereihten Zwerge wurde dem Hobbit bald zu viel und er verabschiedete sich in das Land der Träume. An zwei Haltestellen wurde das Zwergenvolk weiter über Geschichte und die beschwerliche Arbeit informiert. Dies liess sich jetzt auch anhand der ständig gebückten Haltung nachvollziehen.

Nach der Verabschiedung auf dem Parkplatz war das wundervolle Wochenende mit unseren Freunden aus Heidelberg leider auch schon wieder Geschichte.

Vielen Dank an Michael Vogt für die wie immer hervorragende Organisation und wir freuen uns schon auf unseren Besuch in Heidelberg!

Von Martina Camenzind
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                                                                SLRG Wädenswil 2019-10-18 Martina Camenzind
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