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Wadin Rescue: SERC - Wädenswil ZH

Samstag, 09. November 2019

Die SLRG Wädenswil organisierte am 09. November zum zweiten Mal einen SERC (Simulated Emergency Response Competition).


Elf Mannschaften aus der gesamten Schweiz nahmen daran teil. Bei internationalen Wettkämpfen im Rettungsschwimmen ist diese Disziplin eine Notfallübung mit 7 bis 14 Opfern, bei welchen – wie im echten Leben – die Helfer unter Zeitdruck die Situation abschätzen und die Opfer nach Dringlichkeit retten müssen. Ein Team von vier Rettungsschwimmern kommt zur Hilfe, muss die Situation erkennen, analysieren und innerhalb einer vorgegebenen Zeitfrist so vielen Opfern wie möglich helfen. Ein SERC bietet eine perfekte Übungsmöglichkeit für den Notfall und es werden wichtige Erfahrungen gesammelt, damit im Ernstfall rasch die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Die Teams wurden in den Garderoben ohne jegliche Kommunikationsgeräte separiert, so dass sie keine Informationen, was das Notfallszenario beinhaltete, von der Aussenwelt erhielten. Beim Vorstart bekamen sie einen Einführungstext zum Lesen und hatten nach dem Startsignal zwei Minuten Zeit, die Aufgabe zu lösen. Die Leistung der Teams wurde nach verschiedensten Kriterien bewertet und jedes Opfer gab nach Schwierigkeitsgrad bestimmte Punkte.
 
In der ersten Situation besuchte eine schlecht vorbereitete Lehrervertretung mit einer Schulklasse das Hallenbad. Durch die unterlassene Aufsichtspflicht im Bad entglitt ihr die Situation mit den Schülern komplett. Im zweiten Szenario handelte es sich um einen Besuch von einem schwimmbegeisterten Grossvater, welcher seine Familie zur Feier seines Geburtstags ins Hallenbad eingeladen hatte. Mit dem Schwerpunkt Rutschbahn und Opfer aller Altersstufen wurde auch die neueste Einrichtung des Hallenbades von den Rettungsschwimmern eingeweiht.
 
Die Gesamtwertung der zwei Notfallszenarien gewann das erste Team der SLRG Bern. Knapp dahinter reihten sich die Wädenswiler ein, vor der gemischten Mannschaft aus Luzern und Hallwilersee. Viel wichtiger neben dem Resultat sind jedoch die vielen neuen Erfahrungen, welche die Teilnehmer nach Hause nehmen konnten. Ein grosses Dankeschön gilt der Stadt Wädenswil und der Bevölkerung für Ihr Verständnis, den Opfern und den Helfern. Auch gratulieren wir allen Teilnehmern, welche eine grossartige Leistung erbracht haben.
 

Der SERC aus Sicht der Teilnehmenden

Um für den Ernstfall zu trainieren, nahmen 11 hochmotivierte Viererteams, davon eines der SLRG Wädenswil (mit Heinz Wanger, Andrin Senften, Mirjam Schnüriger und Teamchef Borat), am diesjährigen SERC teil. Für die Teilnehmenden bietet eine solche Übung eine exzellente Gelegenheit, sich in einem Grosseinsatz mit mehreren Verunfallten hineinzuversetzen, sowie die Teamfähigkeit zu stärken. Innerhalb von zwei Minuten muss man möglichst viele Verunfallte vor weiteren Gefahren schützen, retten, bergen, reanimieren, verarzten und ruhigstellen, ohne dabei den Selbstschutz, das Alarmieren und die Sicherung Unbeteiligter zu vergessen.

Obwohl es sich um eine simulierte Rettungsübung handelte, war die Spannung bereits im isolierten Warteraum sehr hoch und es wurde bereits rege über mögliche Gefahrenzonen, Unfälle, Distraktionen und alternative Rettungsmittel diskutiert. Da wir Heimvorteil hatten, wussten wir zudem, dass nicht der gesamte Wettkampfbereich vom Startpunkt aus sichtbar ist und wir konnten im Vorherein besprechen, wer welche Gebiete nach Rettungsmitteln und Personen absuchen sollte. Als Versuchskaninchen durften wir für beide Szenarien als erstes Team antreten.

Zu Beginn konnten wir uns jeweils kurz in das Szenario einlesen, um Hintergrundinformationen wie das Alter und die Gruppenkonstellation der Verunfallten zu erfahren. Der erste zu lösende Fall ereignete sich während eines Schulausflugs ins Hallenbad. Wir entschieden, dass der Gruppenchef alle Personen aus dem Wasser rufen und die Lehrperson finden sollte, während die anderen nach Rettungsgeräten suchen, sowie sich eine Übersicht über die Situation verschaffen sollten. Obwohl wir sehr rasch alle Schwimmer, Nichtschwimmer, Halbschwimmer und Puppen entweder mithilfe von Rettungsmitteln (Flaschen, Luftmatratze) oder mit Körpereinsatz aus dem Wasser gebracht, den Bademeister eingebunden, alarmiert, den Defibrillator geholt, die Rutschbahn evakuiert und abgeschlossen, eine Person zu reanimieren begonnen und eine Kopfverletzung behandelt hatten, rannte uns die Zeit davon und wir konnten eine Person mit einem ausgerenkten Arm, sowie eine, welche kurz davor war, bewusstlos zu werden, leider nicht versorgen. Auch mit der Kommunikation unter den Helfern waren wir nicht so ganz zufrieden. Deshalb steckten wir die Ziele für das zweite Szenario umso höher. Bei dieser nächsten Übung handelte es sich um die Geburtstagsfeier eines 69-jährigen mit seiner Familie (inklusive Kuchen und Apéritif). Unter den Verunfallten hatten wir unter anderem eine Person, die sich verschluckt hatte, eine, welche mit einer Rückenverletzung unter der Sprungturmtreppe lag, eine Person mit einer starken Oberarmblutung, sowie Kleinkinder. Die weiteren Statisten, inklusive dem Bademeister, taten ihr Bestes, unnütz im Weg zu stehen oder uns mit Fragen zu löchern. Wir waren aber weitaus zufriedener damit, wie wir dieses Szenario gelöst hatten und es bestätigte sich bei der Rangverkündigung, dass wir uns grandios verbessert hatten, denn wir erreichten zu unserer grossen Überraschung den zweiten Platz hinter der SLRG Bern und vor den Aqua Boys aus Hallwilersee und Luzern.

Trotz den stressigen Situationen hat dieser Wettkampf uns allen grossen Spass bereitet und ist allen Mitgliedern, egal wie wettkampforientiert, höchstens zu empfehlen. Denn in den rasant vorbeifliegenden 2 Mal 120 Sekunden haben wir nicht nur wichtiges Erste-Hilfe-Können repetiert, sondern auch unsere Teamkommunikation und -zusammenarbeit gestärkt. Und wem dieses Argument zu wenig stark ist: Der abschliessende Spaghettiplausch ist bis über den Röstigraben bekannt und war für einige Teams eine Mit- (oder Haupt-)motivation dieses Jahr bereits zum zweiten Mal am berühmt-berüchtigten Wädenswiler SERC mitzumachen.
 

 
Text von Martina Camenzind und Mirjam Schnüriger
Bilder von Ashkan Heabian

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    SLRG Wädenswil 2021-02-19 Martina Camenzind
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