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Modul See I - Wädenswil ZH

Samstag, 27. Juni 2020

Ein Ausflug an den See – aber sicher! Diese Freiwasserausbildung erweitert die Wassersicherheitsaubildung aus dem Pool auf stehende Freigewässer. Im Modul See stehen die Planung und die Risikoanalyse für einen sicheren Ausflug an den See im Zentrum.


Endlich durfte nach der längeren Zwangspause wieder einmal ein Kurs stattfinden. Im Vorfeld war ich lange mit der Vorbereitungsarbeit beschäftigt, um alles nach den Vorschriften der Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG und dem Reglement der Bäder der Stadt Wädenswil anzupassen. So fand ich mich an diesem Intensivwochenende am Samstagmorgen mit Heinz Wanger im Vereinsraum mit Masken vor dem Gesicht und den weiteren Sicherheitsmassnahmen ein. Zum Glück verbesserte sich die Witterung von einem anfänglichen Gewitter in einen bewölkten und nur ein bisschen regnerischen Morgen, sodass die Teilnehmer nach einer theoretischen Einführung den praktischen Eintrittstest absolvieren konnten. Dieser ist immer noch wie gehabt: es werden 300 m im See in maximal 10 Minuten geschwommen, davon mindestens 1 Minute in Rückenlage. Das Bestehen der Eintrittsprüfung ist die Voraussetzung für die Kursteilnahme und da diese alle trotz vergleichsweise starkem Wellengang erfolgreich absolviert hatten, folgten wir in der Vollbesetzung dem weiteren Kursprogramm.

Weiter ging es um die Planung und die sichere Durchführung von Ausflügen in Freigewässern. Dazu gehörten auch die Risikoanalyse und die Sicherheitsmassnahmen, Rettungstechniken in stehenden Freigewässern und Risiken bei Rettungen im See. 

Bei der Erste Hilfe an Freigewässern wird nebst der Repetition der Patientenbeurteilung auch eine Problematik behandelt, welcher man am Freigewässer begegnen kann: Unterkühlung. Hier wird nebst den Symptomen und den Massnahmen auch die Rettungsdecke angeschaut. Eine Rettungsdecke ist eine Folie mit den Massen 210 x 160 cm. Sie wird dazu verwendet, verunglückte Personen vor Unterkühlung, Nässe oder Wind zu schützen. In der einfachen Ausführung handelt es sich um metallisierte Plastikfolie. Auf eine 12 µm dünne, reissfeste, transparente und wasserdichte Biaxial orientierte Polyester-Folie (BiPET) wird dafür eine stark reflektierende Schicht aus Aluminium aufgedampft. Biaxial orientierte Polyesterfolie ist von sich aus charakteristisch gelb-braun gefärbt. Bei einer einseitigen Bedampfung entsteht so eine silberfarbene (Aluminium) und eine goldfarbene Seite. Zum Wärmeerhalt per Wärmestrahlung der Person sollte man die silberne Seite zur Person drehen und die Person komplett in die Rettungsdecke einwickeln, so dass nur das Gesicht frei bleibt. Damit die Rettungsdecke ihre Funktion erfüllen kann, soll sie nicht eng aufliegen. Eine Rettungsdecke hat jedoch keine wärmedämmende Funktion, sondern wärmt durch Reflexion der Körperwärmestrahlung. Ebenfalls wirkt sie wie eine Dampfsperre und vermindert somit den Wärmeverlust durch Verdunstung (von Schweiss, Nässe, Blut). Gegenüber einem kalten Boden muss zusätzlich eine Dämmung erfolgen. Hierzu können Luftpolster zwischen Körper und Umgebung etwa rundum durch Kleidung, Decken, Schaumstoff oder eine Luftmatratze erzeugt werden. Da die Rettungsdecke auch luftdicht abschliesst, reduziert sie den Wärmeaustausch mit vorbei- und auch durch offenporige Kleidung strömendem Wind und vom Temperaturunterschied auch bei Windstille verursachter Konvektion (Aufsteigen warmer Luft). Nicht unwesentlich ist, dass die Rettungsdecke durch Verknoten und Verkleben möglichst dicht einschliesst und auch nicht zu viel flattert. In Eis und Schnee ist die gold-farbene Seite der Folie besser zu sehen und wird auch üblicherweise als Hilferuf verstanden. Bei hohen Aussentemperaturen kann es manchmal sinnvoll sein, eine Person vor Überhitzung zu schützen, indem man sie gegen Sonnenstrahlung abschirmt. In diesem Fall sollte man die silber-farbene Seite nach aussen drehen und die Rettungsdecke wie ein Sonnenschutzsegel aufspannen, jedoch die Person nicht einwickeln. Jedoch ist der Unterschied in der Infrarot-Reflexion (IR) laut Untersuchungen vernachlässigbar und soll nur einen Unterschied von 2 °C bewirken können, wobei die silber-farbene Seite zu 99 % und die gold-farbene Seite zu 97 % IR-Wärmestrahlung reflektieren soll.

Herzliche Gratulation allen Teilnehmern für das bestandene Modul und vielen Dank für eure Teilnahme. Meinen beiden Leitern Heinz (Morgen, er leitete am Nachmittag den WK) und Oliver Wanger (Nachmittag) danke ich ganz herzlich für die Unterstützung und die angenehme Zusammenarbeit!

Da insbesondere auch die Theorie und die Gespräche um die Sicherheit beim Schwimmen und Baden sehr ausgiebig waren, möchte ich gerne noch auf einige Punkte eingehen.

Schwimmen und Baden

Schwimmende und Badende sind für Schiffsführer generell schwer zu erkennen. Der farbliche Unterschied zwischen Haaren und der Seeoberfläche ist sehr gering und daher rät die SLRG Schwimmern dringend, Badekappe zu tragen. Das Schwimmen und Baden in der Nähe von Hafeneinfahrten, in den Hafenanlagen selbst, in der Nähe von  Anlegestationen der Kursschifffahrt birgt grosse Gefahren und ist daher auch verboten.

Schwimmer dürfen fast alles, sollten aber vorsichtig sein. Schwimmen und Baden im See innerhalb der inneren Uferzone (bis 150 Meter vom Ufer entfernt) ist auch mit Badehilfsmitteln wie Luftmatratzen und Schwimmringen erlaubt, jedoch für alle Bereiche, welche ausserhalb des Nichtschwimmerbereiches liegen, nicht empfehlenswert!
 
Ausserhalb der inneren Uferzone oder vom Schiff aus ist Schwimmen und Baden nur ohne Badehilfsmittel erlaubt. Hier besteht Gefahr durch den regen Schiffsverkehr mit unter anderem schnell fahrenden Motorschiffen und bei Kälte oder Schwäche ist meist keine Hilfe erreichbar. Streng nach Gesetz dürfen Schwimmer in der Schweiz ohne Schwimmhilfe über Seen schwimmen. Dies, weil sie im Binnenschifffahrtsgesetz nicht vermerkt sind. Man sollte aber aus den vorher genannten Gründen nicht alleine über Seen schwimmen und eventuell eine Baywatch-Boje oder einen Gurtretter mitführen.
 
Am besten nimmt man an der jährlich stattfindenden, offiziellen Seetraversierung im August teil. An diesem Tag ist eine gefahrlose Überquerung des Sees zwischen Männedorf und Wädenswil möglich. Hier ist nicht nur für einen optimalen Sicherheits- und Rettungsdienst gesorgt, sondern auch der Kleidertransport zum anderen Ufer und eine Verpflegung der SchwimmerInnen nach der sportlichen Leistung ist organisiert.
 

Stand-Up-Paddler

Stand-Up-Paddling ist weiter im Trend. Stand Up Paddler dürfen bis zu einer Entfernung von 300 Metern weg vom Ufer ohne Hilfsmittel ihrem Hobby nachgehen. Danach gelten klare Regeln: Eine Schwimmweste (Auftrieb mind. 50 NM) mitzuführen ist Pflicht. In der Nacht und bei schlechter Sicht müssen Stand Up Paddler zudem eine weisse, gut sichtbare Positionslampe bei sich haben, damit man sie aus allen Richtungen gut sehen kann. Das Board muss zwar kein Kennzeichen haben, es muss aber gut sichtbar den Namen und die Adresse des Eigentümers tragen. Es wird empfohlen, eine Leash um das Fussgelenk zu tragen. Diese verbindet das Board mit dem Paddler und hilft bei einem Sturz ins Wasser, dass das Board nicht davontreibt.
 

Surfbretter

Bei guten Windverhältnissen tummeln sich Surfer und Kite-Surfer auf unseren Seen. Beide fahren laut Gesetz auf wettkampftauglichen Geräten und diese müssen keine Rettungsgeräte mitführen. Meistens tragen Surfer und Kite-Surfer jedoch Neopren-Anzüge. Diese sorgen im Wasser, ähnlich wie Schwimmwesten, für Auftrieb. Es wird deshalb empfohlen, Neopren-Anzüge zu tragen. Geübte Surfer gehen auf dem Zürichsee vor allem bei sehr starkem Wind ins Wasser. Hier besteht die Gefahr dass bei einem heftigen der Kopf gegen den Gabelbaum stösst und der Surfer bewusstlos wird. Daher empfiehlt sich bei starkem Wind das Tragen einer Schwimmweste.
 

Gummiboote

An Schweizer Seen gibt es für fast alles ein Gesetz. So auch für die beliebten Gummiboote. Sie gelten als Badegeräte. Und es ist verboten, mit Badegeräten über den See zu paddeln. Weiter dürfen Gummiboote nur bis 150 Meter weg vom Ufer eingesetzt werden. Anders sieht es bei immatrikulierten Schlauchbooten aus. Schlauchboote mit einer Bootsnummer dürfen den See überqueren.
 

Wakeboarden

Wakeboarder und Wasserskifahrer dürfen auf den meisten Schweizer Seen nur bei klarer Sicht loslegen. Ihre Zeit ist eingegrenzt: ab 8 Uhr und bis zum Sonnenuntergang, längstens aber bis 21 Uhr lautet die Regel. Während der Waker im Wasser die Wellen geniesst, müssen sich auf dem Boot mindestens zwei Personen befinden. Der Bootsführer und die zweite Person, welche auf den Waker oder Wasserskifahrer achtet. Bei Missachtung droht sowohl dem Bootsführer wie auch dem Waker ein Ausweisentzug.
 

Tauchen

Beim Sporttauchen in Schweizer Seen ist grosse Vorsicht geboten. Nicht getaucht werden darf auf den Fahrlinien der Kursschiffe, in engem Fahrwasser bei Hafeneinfahrten, in der Nähe von behördlich zugelassenen Liegeplätzen und im Umkreis von 100 m um behördlich bewilligte Landungsanlagen der Kursschiffe. Vor jedem Tauchgang ist die Tauchstelle gut sichtbar mit einer Tauchfahne zu markieren.
 

Motorboote

Vorbei brausende Motorboote kennen wir alle. Wie schnell dürfen die eigentlich fahren? Als innere Uferzone gilt das Gewässer bis zum Abstand von 150 Meter vom Ufer. Hier ist nur rechtwinkliger Schiffsverkehr gestattet. Dies gilt auch für schleppende Fischerboote. Die äussere Uferzone erstreckt sich von 150 Meter bis 300 Meter vom Ufer. Hier dürfen Schiffe parallel zum Ufer fahren. Ausserhalb der Uferzonen gibt es auf einigen Seen keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Das Motorengeräusch darf aber 72 Dezibel nicht überschreiten. Für jede an Bord befindliche Person muss es eine Schwimmweste auf dem Boot haben. Weiter muss sich für Notfälle eine Notflagge an Bord befinden, damit in einem Notfall mittels dieser Flagge auf sich aufmerksam gemacht werden kann. Der Bootsführer ist für das Vorahndensein und die Einsatzbereitschaft der Notmittel verantwortlich. Dies gilt auch bei Mietbooten! Zudem gilt: Don't drink and drive. Die Promillegrenze liegt bei 0,5.
 

Nautische Veranstaltungen 

Nautische Veranstaltungen bedürfen gemäss Art. 27 des Binnenschifffahrtsgesetzes (BSG) in Verbindung mit Art. 72 der Binnenschifffahrtsverordnung (BSV) einer Bewilligung der zuständigen Behörde.

Für Sport- und Schiffsanlässe auf und in Gewässer muss bei der zuständigen Behörde ein Gesuch um Bewilligung eingereicht werden, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:
  • der Anlass wird öffentlich ausgeschrieben
  • am Anlass nehmen mehr als 10 Schwimmer oder mehr als 10 Schiffe teil
  • es handelt sich um eine Wettfahrt mit anderen Schwimmkörpern als Schiffen
  • Vorschriften des Binnenschifffahrtsrechts können nicht eingehalten werden, z.B. nach Gesetz immatrikulationspflichtige Schiffe ohne Schiffsausweis werden eingesetzt 
  • die Schifffahrt, Fischerei oder der Naturschutz könnten durch den Anlass beeinträchtigt werden.
  • Feuerwerk abbrennen auf Gewässern
  • Wasserung von Fluggeräten
  • Veranstaltungen auf dem, im Wasser oder am Ufer, welche direkt oder durch Besucher die Schifffahrt, die Fischerei oder den Naturschutz beeinträchtigen könnten.
Das Gesuch ist mindestens sechs Wochen vor der Veranstaltung einzureichen. Gesuche sind an diejenige Behörde zu richten, in deren Gebiet die Veranstaltung startet und zwar:
  • Kanton Schwyz Schiffinspektorat des Kantons Schwyz
  • Kanton St. Gallen Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen
  • Stadt Zürich Stadtpolizei Zürich, Wasserschutzpolizei
  • Kantons Zürich Kantonspolizei Zürich, Seepolizei 

Dem Gesuch sind folgende Unterlagen beizulegen: 
  • Sicherheitsdispositiv, das über die Sicherheitsmassnahmen der Veranstaltung Auskunft gibt.
  • Deckungsbestätigung oder Versicherungsnachweis, welcher belegt, dass der Veranstalter gegen Haftungsansprüche bis zu einem Betrag von CHF 5 Millionen versichert ist (aus dem Dokument muss insbesondere ausdrücklich hervor gehen, dass der betreffende Anlass oder Anlässe dieser Art zum Zeitpunkt der Durchführung versichert sind).
Text von Martina Camenzind und Roger Kälin
Bild von Martina Camenzind
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    SLRG Wädenswil 2021-02-19 Martina Camenzind
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