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Flüchtlings-Integration

Freitag, 02. Februar 2018

Es war an einem hundsgewöhnlichen Donnerstagabend gegen Ende des letzten Jahres. Ich stand unschuldig - wie immer -  im Hallenbad am Drehkreuz, als eine mir unbekannte Frau die Kassierin ansprach. Diese schickte die Frau zu mir, noch bevor ich in die Garderoben flüchten konnte. Die Frau stellte sich mir als Maya Goltzsche vor und fragte, ob 4 der afghanischen Flüchtlinge, die sie betreut, an unseren Trainings teilnehmen dürften. Natürlich konnte ich ihr diesen Wunsch nicht abschlagen und sagte Ja. Am darauf folgenden Donnerstag erschienen 4 leicht asiatisch anmutende Gestalten - eine junge Frau und drei junge Männer - in der Schwimmhalle und nahmen an unserem Training teil. Die Hallenbadeintritte bezahlte Frau Goltzsche aus der eigenen Tasche, wie ich später erfahren sollte. Unsere Trainerin Valentina stellte ihre Kommunikation bereitwillig auf Hochdeutsch um, und was die vier bei der Programmansage nicht verstehen konnten, schauten sie einfach bei uns ab. Die Besucher schienen  sich alle wohl zu fühlen und erschienen regelmässig wieder zu jedem Training. Sie schwammen nach meinem Dafürhalten sicher und gut und schon bald waren 2 der Männer mit unseren jungen Mitgliedern auf der schnelleren Bahn zu finden.

Mit der Zeit erfuhren wir ein Bisschen mehr von ihnen: alle sind vor dem nun 40 Jahre dauernden Krieg und den gnadenlos wütenden Taliban in Afghanistan in die Schweiz geflüchtet. Ihre Namen sind Seyed Hadi, 25 jährig und im Herkunftsland als "Allrounder" tätig; Gholam Jafari, 23, Bauer; Habib Qasemi, 27, Gipser; Yalda Rezai, 24, Näherin. Alle leben in Horgen - mit Ausnahme von Seyed, der sich in Zürich niedergelassen hat. Ihre Muttersprache ist Dari - sie verstehen aber auch Farsi (das im Iran gesprochen wird). Alle nehmen Deutsch-Unterricht.

Maya Goltzsche erzählte mir später, dass keiner der vier noch vor einem Jahr schwimmen konnte. Die Flüchtlinge wurden der Gemeinde Horgen zugeteilt und eine Gruppe, zu der auch die pensionierte Schwimmlehrerin Goltzsche gehört, überlegte sich, wie man diese sinnvoll beschäftigen könnte. Als "Vorläufig Aufgenommene" mit Aufenthaltsstatus "F" (wie Forläufig ?) dürfen sie bei uns nämlich nicht arbeiten. Zwei ebenfalls pensionierte Pfarrer von Horgen erklärten sich bereit, sie in der deutschen Sprache zu unterrichten. Maya tat, was sie in ihrem ganzen Berufsleben getan hatte: sie brachte den Leuten das Schwimmen bei - und durfte dabei feststellen, dass ihre Schützlinge unbändige Freude an diesem Sport entwickelten. Mit dem Resultat, dass sämtliche vier einen SLRG Pool Basic Rettungsschwimmkurs bei unserer Sektion besuchten und die Brevet-Prüfung erfolgreich bestanden. Beim Kurs wurde auf die Sprachbarrieren insofern Rücksicht genommen, als 1. Aschki als Farsi-Hilfskursleiter mitmachte und 2. unsere TL Susanne bei der SLRG Zentralstelle die in Farsi übersetzten Baderegeln ausgrub und sie an die Teilnehmer verteilte. Die Beitrittsformulare für unsere neuen Kameraden und -In liegen bereits bei Susanne auf dem Tisch und zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Beitrags werden wohl bereits alle 4 Mitglieder unserer Sektion sein. So geht erfolgreiche Integration von Flüchtlingen!

Aktuell ist Frau Goltzsche im Gespräch mit der Stadt Wädenswil wegen deren Hallenbad-Abos - die Leute haben ja kein Geld. Sollte die Stadt in ihrer Sparwut nicht zu einem "Flüchtlingstarif" bereit sein hoffe ich, dass wir vereinsintern eine Lösung finden, z.B. unter dem Aspekt der schon lange angestrebten Reduktion unseres Vereinsvermögens. Aus meiner Sicht wäre dies ein sinnvoller, begrüssenswerter Ansatz.

P.S.: Maya Goltzsche hat mir kürzlich eine weitere Kandidatin "angedroht".

Von Rolf Läuffer
 
 
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