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Der SERC …

Mittwoch, 28. März 2018

Wenn man auf einen Notfall stösst, so wird man in eine Stresssituation versetzt. Damit wir dem Patienten dennoch möglichst gut helfen können brauchen wir diverse Komponenten: Wissen, praktische Erfahrung und Kenntnis der eigenen Stressreaktion. Ziel des Wadin-Programmes ist eine ideale Vorbereitung auf einen Notfall.

Dazu gehört das Erlernen des theoretischen Wissens, sowie die praktische Umsetzung. Dies sollte durch die monatlichen Wadin-Kurse erreicht werden. Wie oben vermerkt ist, gehört aber noch ein weiteres Element hinzu: der Stress. Diesen in einem Kurs zu imitieren ist nahezu unmöglich, sodass der SERC zur Hilfe genommen werden sollte: anstelle der Angst um das Überleben als Stressor bedient man sich des Stresses, welcher durch eine Situation wie im SERC ausgelöst wird. Um den Zeitdruck einer Realsituation zu simulieren wird eine zeitliche Beschränkung eingeführt. Beim SERC soll in einem Team von 4 Helfern erste Hilfe geleistet werden. Hierbei treffen verschiedene Viererteams nacheinander auf die gleiche Situation. Die Leistung wird jeweils von Richtern anhand von Punkteskalen bewertet und verglichen. Hierbei zählt vor allem auch die korrekte Triage der Opfer, sodass durch taktisch überlegtes Vorgehen mehr Punkte geholt werden können als durch gedankenlose schnelle Rettung (der genaue Ablauf eines SERC kann auf der Homepage angeschaut werden).

Damit wir Notfallsituationen erfolgreich meistern können, ohne uns selber oder den zu rettenden zu gefährden, ist ein Verständnis der menschlichen Stressreaktion hilfreich.

Bei Antreffen einer Notfallsituation schaltet unser Körper mittels Adrenalin das Notfallprogramm ein. Dieses stammt noch aus der Urzeit und stellt entsprechend die für die Flucht nicht notwendigen zugunsten der für die Flucht notwendigen Funktionen ein. Dazu gehört, dass die Gehirn- und Verdauungsdurchblutung vermindert und dafür das Blut an die Muskeln verteilt wird. Dies hat zur Folge, dass wir im Notfall nicht mehr klar denken können und daher gedankenlos auf ein Opfer zu rennen ohne Gefahren für sich oder das Opfer wahrnehmen und erkennen zu können. Anders ist es, wenn man mit Stressoren vertraut ist, dann wird zwar ebenfalls Adrenalin ausgeschüttet, aber man hat Mechanismen erlernt, um die Situation im Griff zu haben (Coping). Der Stress führt dann dazu, dass man Höchstleistung erbringen kann: erhöhte Aufmerksamkeit auf etwas bestimmtes und Förderung der maximalen Leistungsfähigkeit des Körpers (siehe Grafik). Dies bedeutet angewandt auf den Notfall, dass durch den Stress während dem SERC gelernt werden kann, wie aus einer Stresssituation, welche hemmend auf einen wirkt, einen Anspornt für Bestleistung erzielt werden kann.

Wie kann man unsere Körperreaktion auf Stress zum Vorteil für den Notfall (SERC) nutzen? Ganz einfach: man baut sein Team so auf, dass es einen Koordinator gibt, welcher dazu da ist, die anderen Teammitglieder zu leiten: welches Opfer soll zuerst geborgen werden, wo sind die Fallstricke und welche Hilfsmittel könnten sonst noch eingesetzt werden. Die Punktwertung wird so verteilt, dass eine korrekte Triage sich bezahlt macht. Dies bedeutet, dass mehr Punkte erzielt werden können, wenn ein Herzinfarktopfer, welches sofortige Hilfe benötigt, vor einem Schmerzpatienten geborgen wird. Ebenso wird die Rettungsleistung angerechnet: eine feine 50 kg Frau, welche einen 150 kg Mann zu bergen hat, erbringt eine deutlich höher zu wertende Leistung als ein 90 kg Muskelmann, welcher ein Kind rettet. Dies wird sich ebenfalls in der Punktwertung niederschlagen. Damit bewertet der SERC nicht pure Leistungsfähigkeit, sondern viel eher die korrekte Handhabung und Triage einer Notfallsituation.

Neben dem Stress und dem Zeitdruck ahmt der SERC zusätzlich auch reale Situationen nach, bei welchen man sich als heterogene Gruppe mit unterschiedlichen Fähigkeiten orientieren muss: wer ist für die Koordination geeignet, wer sollte als Schwimmer eingesetzt werden, wer hat mehr Erfahrung mit Kindern und wer mit offenen Wunden?

Für die allgemeine Fitness im Notfall finden daher weiterhin am ersten Freitag im Monat die Wadin-Kurse statt. Hierbei werden die Themen des letzten Jahres repetiert und vertieft, damit die Abläufe so automatisiert sind, dass sie selbst im Notfall noch präsent sind. Denn Studien haben gezeigt: das, was routiniert abläuft, kann auch noch unter Müdigkeit, einer Situation, welche unsere Konzentration ähnlich hemmen kann (wie beispielweise Stress), noch gleich gut (wenn nicht sogar besser à siehe Grafik: ACLS) ausgeführt werden, während bei komplexen Aufgaben die Fehlerzahl steigt.
 
ACLS steht für Advanced Cardiac Life Support, was einem entspricht, nach welchem bsp. bei einem Herzinfarktpatienten im Spital vorgegangen wird (Routine). Komplexe Aufgaben sind solche, bei denen Ad-hoc etwas Neues gemacht werden muss
 
Quelle: Sharpe R et al Crit Care Med 2010; 38 (3)

Des Weiteren finden in den Wadin-Kursen spezielle SERC-Vorbereitungen statt, sodass jeder seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen sowie die Ausweitung dieser kennen lernt und sich im Notfall sicher genug fühlt um aktiv zu werden und den Stress zu seinen eigenen Gunsten zu verwerten.

Von Laura Buchmann
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SLRG Wädenswil 2018-06-23 | Martina Camenzind |
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