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Hosenweste

Freitag, 10. Mai 2019

Für das Thema Rettungshilfen beim Wiederholungskurs Pool fand sich auf der Suche nach kreativen Lösungen für alternative Rettungsmitteln die Hosenweste. Wie die Geschichte von Arne Murke zeigt, kann diese durchaus Leben retten!


Murke war mit seinem Bruder an der Südküste Neuseelands mit einer Yacht unterwegs, die das Duo von Auckland nach Brasilien bringen sollte. Dabei ging Murke über Bord und geriet in den Wogen des Ozeans in Lebensgefahr, da die Rettungsversuche seines Bruders scheiterten. Gegenüber dem «New Zealand Herald» berichtet Murke: «Ich wurde für ein oder zwei Sekunden im Wasser neben dem Boot hergezogen, aber dann löste sich das Seil zum Glück, und ich schwamm ohne Schwimmweste im Wasser. Nur mein T-Shirt, meine Jeans, das war alles.» Sein Bruder warf dem 30-Jährigen eine Rettungsweste hinterher, doch die bekam Murke nicht zu fassen. Und als wäre das nicht genug: zu allem Übel konnte das Boot nicht zu Murke zurückgesteuert werden, da die 12-Meter-Yacht einen Motorschaden hatte.

Doch Murke hatte einen Einfall, der ihm schliesslich das Leben retten sollte: «Ich atmete tief durch, zog meine Jeans aus, machte Knoten am Ende der Beine und blies die Jeans auf. Ich zog sie über Wasser und bekam Luft hinein und schob sie dann unter Wasser – ich hatte eine improvisierte Schwimmweste.» Zweieinhalb Stunden musste Murke so auf offener See ausharren, bis die Rettung in Form der alarmierten Küstenwache eintraf. «Glücklicherweise kannte ich den Trick mit der Jeans. Ohne die Jeans wäre ich heute nicht hier, sie waren wirklich das, was mich gerettet hat. Als ich im Wasser war, dachte ich nur, dass ich meine Tochter nicht ohne Vater zurücklassen kann. Das war die grösste Motivation. Das Wasser brach über mich herein, und es wurde kalt. Meine Beine begannen zu zittern. Ich musste die Jeans wieder aufpumpen, weil sie ein wenig Luft verlor, sie war irgendwie verdreht.»

Das Seenot-Erlebnis hat der erfahrene Seemann bestens verdaut, laut «New Zealand Herald» plant er bereits das nächste Abenteuer: «Ich kenne das Risiko, aber ich habe keine Angst davor. Ich werde in Zukunft nur super vorsichtig sein. Ich würde niemals sagen, dass ich nicht mehr aufs Meer gehen werde oder dass ich zu viel Angst hätte.»

Beim Retten im Pool besteht das grösste Risiko darin, dass eine in Not geratene Person einen Retter packt und sich so über Wasser halten will. Um dieser Gefahr entgegen zu wirken, nähert sich der Rettungsschwimmer einer in Not geratenen Person nur so weit, dass sie ihn nicht packen kann. Wenn immer möglich wird ein Rettungsmittel mitgenommen, welches dem Rettling in die Hände gegeben wird und so dessen Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand lenkt. Zur Not lässt sich die Hosenweste nicht nur für sich selbst, sondern auch für einen Rettling verwenden. Bleibt nur nach den neusten Erfahrungen anzumerken: kauft euch keine neumodische Hosen, denn die haben Löcher!

Und so gehts:
  1. Die Hose versuchen in Ruhe im Wasser auszuziehen. Die Beine mit einem Doppelknoten verknotet und mit dem Knoten zum Nacken anlegen.
  2. Wenn der Hosenschlitz nach oben zeigt, sollte man jetzt noch die Hose so drehen, dass er nach unten zum Wasser zeigt. Sonst kann hier die Luft leichter entweichen. Ach ja, der Hosenschlitz sollte natürlich geschlossen sein!
  3. Alles, was man jetzt noch machen muss, ist mit der flachen Hand ruckartig ins Wasser zu schlagen. Dadurch wird Luft unter die Hose gepresst und pumpt sie auf. Da die Hose nass ist, kann die Luft nicht entweichen.
  4. Wenn man die Beine anwinkelt und sein Körpergewicht geschickt verlagert, kann man so für einige Zeit im Wasser umhertreiben. Und bei Bedarf kann man natürlich immer Luft nachpumpen.

Text von Martina Camenzind
Bild von Ashkan Hesabian
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SLRG Wädenswil 2018-07-18 | Martina Camenzind |
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