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Notfalltransporte: Wer trägt die Kosten?

Sonntag, 07. Juli 2019

Notfalltransporte gehen ins Geld. Viele Betroffene sind überrascht, wie viel sie selbst bezahlen müssen – trotz Krankenversicherung.


Lisa humpelt mit einem kleinen Stapel Post zum Sofa. Nachdem sie ihr rechtes Bein hochgelagert hat, reisst sie hastig den Brief mit dem Logo ihrer Grundversicherung auf. Es ist die Rechnung, vor der sie sich seit Wochen fürchtet. Lisa überfliegt das Schreiben. 4270 Franken hat die Rega insgesamt verrechnet! Der Studentin entfährt ein tiefer Seufzer. Die Grundversicherung übernimmt nur die Hälfte dieser Rettungskosten. Lisa hat keine Ahnung, wie sie ihren Anteil bezahlen soll – zusätzlich zu Franchise und Selbstbehalt, die nach dem unerwarteten Spitalaufenthalt anfallen.

Grundversicherung zahlt nur 50%

Eigentlich hatte Lisa vorgehabt, nach den Semesterprüfungen und einem entspannten Wochenende in den Bergen den Sommer über wieder im Pflegeheim zu arbeiten. Doch während des Abstiegs machte sie einen Fehltritt und brach sich den Fuss. Es passierte in so ungünstigem Gelände, dass der Helikoptereinsatz eine halbe Ewigkeit dauerte – und richtig teuer wurde. Der Unfall warf sowohl Lisas Pläne als auch ihr knappes Budget völlig über den Haufen.

Lisas Problem: Als Vollzeitstudentin arbeitet sie nur temporär und ist deshalb über ihre Grundversicherung unfallversichert. Die Grundversicherung bezahlt nur 50% der Transportkosten, bis zu einer jährlichen Obergrenze (siehe Checkliste).

Teure Fahrt in der Ambulanz

Falls Ihre Unfallversicherung nicht über Ihre Grundversicherung, sondern über Ihren Arbeitgeber läuft, sind Sie besser dran als Lisa: Die Unfallversicherung übernimmt die vollen Transportkosten. Teuer kann ein Rettungstransport aber auch für Sie werden – zum Beispiel dann, wenn Sie einen Hexenschuss, einen Asthmaanfall oder gar einen Herzinfarkt erleiden. Denn im Krankheitsfall ist die Grundversicherung ihrer Krankenkasse zuständig und verrechnet Ihnen mindestens 50% der Kosten weiter. Übrigens gehen nicht nur Rettungen aus der Luft, sondern auch Fahrten per Ambulanz rasch ins Geld. Je nach Region kosten diese bis zu CHF 2000.–. Ausserdem unterliegt dieser Betrag der Kostenbeteiligung, es werden also Franchise und Selbstbehalt fällig.

Rega-Gönnerschaft ist keine Versicherung

Wäre Lisa Gönnerin der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega, hätte ihr dies womöglich einigen Ärger erspart. Denn die Rega kann ihren Gönnern Rettungskosten erlassen, wenn der Einsatz durch Versicherungen nicht oder nur teilweise gedeckt ist. Allerdings besteht auf diese freiwilligen Leistungen der Rega kein Rechtsanspruch. Eine Rega-Gönnerschaft ist daher nicht mit einer Zusatzversicherung zu verwechseln. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Es kann gut sein, dass die Rega gerade ausgelastet ist. Dann kommt ein anderes Rettungsunternehmen zum Zug. Auch in solchen Fällen hilft also eine Rega-Gönnerschaft nicht weiter.

Viele Zusatzversicherungen schliessen die Lücken im Bereich Transport- und Rettungskosten. Die Zusatzversicherung der AXA übernimmt in der Schweiz alle Kosten bis zu CHF 100'000.–; im Ausland zahlt sie 100% der Kosten für Rettungsaktionen, Transporte und Heimschaffung (ohne Obergrenze). Eine Alternative zu Zusatzversicherungen bieten Reiseversicherungen: Wer da den Baustein «Personenassistance» abschliesst, bekommt Rettungs-, Bergungs- und Transportkosten vergütet. Eine Zusatzversicherung hätte sich also für Lisa gelohnt – trotz oder gerade wegen ihres knappen Budgets.

Checkliste Transport- und Rettungskosten

Unfall oder Krankheit?

  • Bei einem Unfall zahlt die Unfallversicherung des Arbeitgebers 100% der Transportkosten, jene der Grundversicherung nur 50% der Transportkosten.
  • Bei Krankheit zahlt die Grundversicherung nur 50% der Kosten. Handelt es sich um einen Transport, ist der jährlich maximale Beitrag CHF 500.–. Handelt es sich um eine Rettung, ist der jährlich maximale Beitrag CHF 5000.–.
Diese Lücken können durch eine Krankenkassen-Zusatzversicherung oder Reiseversicherung geschlossen werden.
 

Transport oder Rettung?

  • Transport bedeutet, dass ein Patient zum Ort der Behandlung gebracht werden muss. Dabei ist die professionelle Versorgung unterwegs medizinisch notwendig.
  • Rettung bedeutet, dass ein Patient aus einer lebensbedrohlichen Situation geborgen werden muss.

Schweiz oder Ausland?

  • An den Kosten für einen Transport beteiligt sich die Krankenkasse auch im Ausland. Es gelten dieselben Bedingungen wie in der Schweiz.
  • An den Kosten für Rettungen im Ausland beteiligt sich die Krankenkasse nicht.
  • Auch Suchaktionen, Bergungen und Heimschaffungen (Rückführungen) im Ausland sind in der Grundversicherung nicht enthalten.
Diese Lücken können durch eine Krankenkassen-Zusatzversicherung oder durch eine Reiseversicherung geschlossen werden. ▣
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