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Ersthelfende erhöhen die Überlebenschance eines Patienten mit Herzstillstand erheblich

Montag, 05. August 2019

Erleidet eine Person einen Herz-Kreislauf-Stillstand, dauert es meist eine Zeit, bis ein Notarzt vor Ort ist. Diese Zeit können sogenannte First Responders überbrücken. Bisher fehlt es jedoch an einer schweizweiten Strategie hierfür.
 

Plötzlicher Herztod ist in der Schweiz eine der häufigsten Todesursachen. Täglich sind hierzulande bis zu 40 Personen von einem Herz-Kreislauf-Stillstand betroffen. Laut der Schweizerischen Herzstiftung überleben weniger als fünf Prozent ein solches Ereignis. Fachpersonen sind sich aber einig: Durch sofortige Wiederbelebungsmassnahmen und den zusätzlichen Einsatz von Defibrillation könnten die Überlebenschancen der Betroffenen wesentlich vergrössert werden. Hier setzt das First-Responder-Konzept an. First Responders, zu Deutsch Ersthelfer, sind in Erste-Hilfe-Massnahmen ausgebildete Personen, die von einer Notrufzentrale aufgeboten werden und die Zeit zwischen Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Bisher gibt es hierzulande jedoch keine übergreifende Organisation, die sich dem Thema angenommen hat. Seit April 2017 gibt es aber eine Applikation. Die Echo-112-First-Responder-App ist eine Entwicklung des Züricher Unternehmens Ubique Health und hat es sich zum Ziel gesetzt, ein Netzwerk von freiwilligen Rettungshelfern über das ganze Land hinweg zu erstellen. Dabei fokussiert es vor allem auf Menschen in medizinischen Berufen. Willkommen sind aber auch all jene, die sich ohne medizinischen Hintergrund in der Lage fühlen, in einer Notsituation zuverlässig Erste Hilfe zu leisten. Aktuell sind 5385 Ersthelfer registriert (Stand 14.9.2018).
 

Schon 3300 First Responders im Tessin

In vielen Gemeinden läuft die Organisation der First Responders grundsätzlich über die Feuerwehr. So auch rund um den Zürichsee, etwa in den Gemeinden Rapperswil-Jona, Zumikon oder Küsnacht. Einen anderen Weg gehen die Gemeinden Hütten und Schönenberg, die eine gemeinsame First-Responder-Strategie verfolgen. Sie setzen auf die lokale Dorfbevölkerung, welche in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst des Seespitals Horgen und den Samaritern als Erstretter aufgeboten werden. Vorreiter in Sachen Ersthelfer ist der Kanton Tessin. 2005 wurde dort auf Initiative des kantonalen Verbands der tessiner Ambulanzdienste sowie des Herzzentrums Ticino in Lugano eine Stiftung mit dem Namen Ticino Cuore – Tessiner Herz – gegründet. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die spezifische Förderung der Erste-Hilfe-Aktivitäten. So absolviert etwa jeder Oberstufenschüler einen Nothelferkurs. Dank der Stiftung stehen heute zudem circa 1200 Defibrillatoren im ganzen Kanton – 400 davon mit öffentlichem Zugang. Hinzu kommen über 3300 First Responders. Jeder von ihnen erhält bei einem Herznotfall ein SMS mit den Koordinaten des Patienten. Diejenige Person, die am nächsten ist, rückt aus und reanimiert, bis der Krankenwagen eintrifft.

Text von Fabienne Sennhauser (Zürichsee-Zeitung)
Bild von Manuela Matt (Zürichsee-Zeitung)
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      SLRG Wädenswil 2020-09-08 Martina Camenzind
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