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27 Ertrunkene in diesem Sommer – SLRG befürchtet Zunahme der Opfer

Donnerstag, 08. August 2019

Der letzte tödliche Unfall ereignet sich am Sonntag in Buochs NW – ein sechsjähriges Mädchen ertrinkt im Vierwaldstättersee. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG ahnt: «Die Ertrinkungsquote wird in Zukunft steigen.»


Die grösste Gefahr lauert in den Flüssen. Was vom Ufer her kaum einzuschätzen ist, präsentiert sich im Wasser plötzlich als starke Strömung. Vor allem ungeübte Schwimmer können schnell mitgerissen und in die Flussmitte gezogen werden – ohne Chance auf schnelle Rettung. Aus dem geplanten Badespass wird so gefährlicher Ernst.

Allein auf der Aare sind in diesem Sommer bereits sechs Menschen in den Tod gerissen worden – in Bern, Muri, Zuchwil SO und Wildegg AG. Und auch auf dem Rhein bei Basel, der Reuss im Kanton Aargu und der Limmat in Zürich starben Menschen. Tragisch: In den meisten Fällen wurden ihre Leichen erst Stunden später gefunden.

Aber nicht nur in Flüssen lauert der Tod. In diesem Sommer sind in der Schweiz bereits 27 Menschen ertrunken. Auffällig: Lediglich ein einziger Unfall ereignete sich in einem Freibad.

Reto Abächerli, Leiter Rettungsschwimmsport SLRG, sagt dazu: «Beim Thema Badeunfall fokussiert die Öffentlichkeit vor allem auf Kinder und Schwimmbäder. Dabei ist gerade hier die Unfallrate extrem tief. Deutlich gefährlicher ist das Schwimmen in natürlichen Gewässern. Und es sind die jungen erwachsenen Männer, die gemäss Opferzahlen zur grössten Risikogruppe zählen.»
 

Schwimmunterricht in natürlichen Gewässern

Gemäss einer repräsentativen SLRG-Umfrage aus dem Jahr 2016 baden rund 30 Prozent der Befragten in einem Fluss. «Im Gegenzug ereignen sich 90 Prozent der tödlichen Ertrinkungsvorfälle in natürlichen Gewässern», sagt Abächerli. «Obwohl weniger Menschen in Flüssen schwimmen, kommt es dennoch zu mehr Zwischenfällen. Die Schlussfolgerung: Schwimmern fehlt die nötige Erfahrung oder sie schätzen ihr Schwimmvermögen gerade in einem Fluss falsch ein.»

Es sei deshalb Zeit für ein Umdenken. «Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft wünscht sich, dass der Schwimm- und Wassersicherheitsunterricht für Schüler auch in Flüssen und Seen stattfindet», so der Leiter Rettungsschwimmsport der SLRG. «Hier gibt es ein entsprechendes Pilotprojekt im luzernischen Hochdorf. Die Kinder lernen, auf was sie im Baldeggersee achten müssen. Dies tun sie in einem sicheren Umfeld im See.»

Einen obligatorischen Schwimmunterricht gibt es schweizweit bisher nicht. Immerhin setzt sich mit dem Lehrplan 21 mehr und mehr ein einheitlicher Wassersicherheitscheck durch. Abächerli: «Die Kinder absolvieren diesen Test in der Regel in der vierten Klasse. Der Test prüft die Selbstrettungskompetenzen der Kinder.»

Das wird geprüft: Nach einem Sturz ins Wasser müssen die Kinder ihre Atmung kontrollieren, an die Wasseroberfläche gelangen, sich orientieren und eine bestimmte Strecke vorwärts schwimmend zurücklegen.Schwimmunterricht in natürlichen Gewässern
Gemäss einer repräsentativen SLRG-Umfrage aus dem Jahr 2016 baden rund 30 Prozent der Befragten in einem Fluss. «Im Gegenzug ereignen sich 90 Prozent der tödlichen Ertrinkungsvorfälle in natürlichen Gewässern», sagt Abächerli. «Obwohl weniger Menschen in Flüssen schwimmen, kommt es dennoch zu mehr Zwischenfällen. Die Schlussfolgerung: Schwimmern fehlt die nötige Erfahrung oder sie schätzen ihr Schwimmvermögen gerade in einem Fluss falsch ein.»

Es sei deshalb Zeit für ein Umdenken. «Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft wünscht sich, dass der Schwimm- und Wassersicherheitsunterricht für Schüler auch in Flüssen und Seen stattfindet», so der Leiter Rettungsschwimmsport der SLRG. «Hier gibt es ein entsprechendes Pilotprojekt im luzernischen Hochdorf. Die Kinder lernen, auf was sie im Baldeggersee achten müssen. Dies tun sie in einem sicheren Umfeld im See.»

Einen obligatorischen Schwimmunterricht gibt es schweizweit bisher nicht. Immerhin setzt sich mit dem Lehrplan 21 mehr und mehr ein einheitlicher Wassersicherheitscheck durch. Abächerli: «Die Kinder absolvieren diesen Test in der Regel in der vierten Klasse. Der Test prüft die Selbstrettungskompetenzen der Kinder.»

Das wird geprüft: Nach einem Sturz ins Wasser müssen die Kinder ihre Atmung kontrollieren, an die Wasseroberfläche gelangen, sich orientieren und eine bestimmte Strecke vorwärts schwimmend zurücklegen.
 

Steigen die Opferzahlen?

Im internationalen Vergleich schneide die Schweiz bezüglich Schwimmkompetenz bisher gut ab. Die Unfallzahlen sind hier mitunter die tiefsten in ganz Europa. «Wir befürchten aber, dass die Ertrinkungsquote auch bei uns in den nächsten Jahren steigen wird», so Abächerli. «Die Gründe dafür: Immer mehr Personen baden in natürlichen Gewässern, und die Migration bringt Menschen in die Schweiz, die sich mit den hiesigen Gewässern und deren Gefahren nicht auskennen.»

Damit Böötli-Fahrer und Schwimmer sicherer im Fluss unterwegs sind, hat die SLRG sechs Bade- und sechs Flussregeln entwickelt:
  • Kinder nur begleitet ans Wasser lassen – kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen!
  • Nie alkoholisiert oder unter Drogen ins Wasser! – Nie mit vollem oder ganz leerem Magen schwimmen.
  • Nie überhitzt ins Wasser springen! – Der Körper braucht Anpassungszeit.
  • Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen! – Unbekanntes kann Gefahren bergen.
  • Luftmatratzen und Schwimmhilfen gehören nicht ins tiefe Wasser! – Sie bieten keine Sicherheit.
  • Lange Strecken nie alleine schwimmen! – Auch der besttrainierte Körper kann eine Schwäche erleiden.
  • Schlauchbootfahrer müssen mit einer Rettungsweste ausgerüstet sein!
  • Die auf dem Boot angegebene Nutzlast darf nicht überschritten werden.
  • Boote nicht zusammenbinden! – Sie sind nicht mehr manövrierfähig.
  • Unbekannte Flussabschnitte müssen vor der Fahrt zuerst erkundet werden!
  • In freie Gewässer (Flüsse, Weiher und Seen) wagen sich nur gute und geübte Schwimmer.
  • Unterkühlung kann zu Muskelkrampf führen. Je kälter das Wasser, umso kürzer der Aufenthalt im Wasser!
Text von Silvana Guanziroli (Bluewin)
Bild von Bluewin
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