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Von einem stehenden Gewässer mit Surf Livesaving

Freitag, 10. Januar 2020

Ein Surflebensretter aus der Schweiz – wie wahrscheinlich ist das? Die Schweiz ist ein Binnenstaat, dort gibt es keine Brandung. Aber es gibt den 20-jährigen Cyril Senften, einen Schweizer Surflebensretter. «Die gibt es», besteht er stolz, wenn nicht sogar verteidigend.


Und um dies zu beweisen wird Cyril mit mehr als 300 Neuseelands schnellster Surfathleten für das grässliche, verhängnisvolle, 24.5 Kilometer lange Surflivesaving Ausdauerrennen entlang der Mount Maunganui Küste antreten.
 
Das Rennen wird aus einem bestimmten Grund das Mount Monster genannt – es besteht aus einer 12 Kilometer Ski Paddle Strecke vom Main Bedach zum Omanu und zurück, einer 5 Kilometer langen Rennstrecke zur Tay Street und zurück, und dem Schlimmsten davon gemäss Cyril, einer 1.5 Kilometer lange Schwimmstrecke inklusive dem epischen Sprung über das Moturiki Loch, in dem Wasser nach oben spritzt, sowie einer 6 Kilometer langen Bord Paddle Strecke.
 
Alle Etappen sind unmittelbar aufeinander folgend und leicht angepasst dieses Jahr, es sind ca. zweieinhalb Stunden voller Plackerei und Tortur, sogar für Spitzenatlethen. Cyril seufzt lange. «Es ist so ermüdend, und es soll zudem ein heisser Tag werden.» Und im nächsten Atemzug schwärmt der Schweizer vom «unglaublichen» Taraunga. «Der Ort, die Bedingungen, das Coaching. Unglaublich!»
 
Wahrscheinlich kommt ein Teil dieses Enthusiasmus durch seinen ungewöhnlichen Eintritt in den Strandsport. «Ich war immer Teil des Lebensretteungsteams zu Hause, aber in Hallenbädern.» Eines Tages erzählte ihm sein Vater von einem Schweizerischen Nationalteam in Surflivesaving. «Ah, krank!» Krank im Sinne von grossartig, spitze, cool. «Und ich schrieb mich für die Qualifikation ein.» Und das in einem Land 160 Kilometer entfernt von der nächsten Welle im Golf von Genua.
 
«Wir trainierten nur in den Flüssen und Seen. Keine Brandung. Weniger Lebensretter, der Standard ist nicht so hoch und es ist viel langweiliger wegen dem flachen Wasser.»
 
Dann, an einem folgenschweren Tag im Jahr 2016, stand der 18-jährige Cyril auf echtem Sand an einem echten Strand in den Niederlanden – es waren die Weltmeisterschaften und seine erste wettkampforientierte Begegnung in der Brandung. Da war es auch, wo er Hamis Miller – den Gewinner des Mount Monsters vor zwei Jahren – kennenlernte. «Er überzeugte mich, nach Neuseeland zu kommen und zu trainieren. Deshalb bin ich hier.» Deshalb ist er zwei Mal zurückgekommen, deshalb probiert er den Mount Monster nochmals.
 
«Das Rennen ist das Schlimmste, es tötet deine Beine.» Wenn er sich genug Sorgen macht wird es vielleicht nicht so schlimm wie er zuerst befürchtete. «Und es saugt einfach den ganzen Sauerstoff aus.»
 
Vielmehr bevorzugt er die Boardstrecke wegen den ‘runners’ – «Wir kriegen die ganze Zeit runner hier, ich werde so aufgeregt, wenn es runner hat. Die Jungs sagen, sie wären normal und ich sage komm schon!»
 
Runner sind etwas, was die Seegötter für die lokalen Surfer hochschleudern, aber sie kommen in den Flüssen und Seen der Schweiz nicht vor. Runner? «Kleine Wellen, nicht wirkliche Wellen, welche brechen, aber genug, um einige Meter zu reiten. Sie putschen dich vorwärts. Es macht so viel mehr Spass, es hier zu tun.»
 
Nicht nur hat Cyril sein Land repräsentiert, sondern er hat ihm auch gedient. Jeder Mann ab 18 Jahren muss obligatorische militärische Trainings absolvieren – 21 Wochen in der Armee. Er hat dies getan und geniesst nun ein Zwischenjahr bevor er an die Universität geht, um Umweltingenieurwissenschaften zu studieren – er wird eines Tages Systeme, welche sauberes Trinkwasser liefern und Abfallwasser, feste Abfälle, gefährliche Abfälle und Luftverunreinigungen behandeln, designen und errichten.
 
Als Surflebensretter, als Spitzenstrandathlet ist er ein junger Mann in Kontakt mit seiner Umwelt und sie schätzend. Er wird der Welt gut dienen.
 
Aber zuerst wird Cyril morgen seine Umwelt herausfordern – er hatte ca. zwei Stunden 35 Minuten für den Mount Monster. Nun zielt er unter zwei Stunden 30 Minuten.

Bericht SunLive
Übersetzung Mirjam Schnüriger
Bild John Borren

 
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                                SLRG Wädenswil 2020-02-14 Martina Camenzind
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