GESCHICHTE

Erinnerungen sind immer mit Vorsicht zu geniessen, wie wir wissen, auch meine. Etwas unscharf oder dann überzeichnet und vielfach auch mit Fantasie geschmückt. Nur die Bilder, die sprechen – zwar auch nicht immer ganz scharf – doch eine deutliche Sprache.

Von Walter Krüsi
 

Seetraversierung

Der Start von Walter Krüsi als Präsident des VRW (Verein für Rettungsschwimmen Wädenswil) wurde mit einem Paukenschlag eröffnet! Otto Bruhin, der Technische Leiter und er hatten 1964 die verrückte Idee, die Seetraversierung mithilfe einer anschliessenden Seerundfahrt mit der alten „Wädenswil“ (Charter CHF 600.--) noch attraktiver zu machen. Die tolle Fahrt mit nächtlichem Halt an der Halbinsel Au brachte Musik, Postillion d’amour, Mutsprünge vom Schiffsdach und Hahnenkämpfe mit dem seinerzeitigen Richterswiler Badmeister; vor allem aber keine roten Zahlen in der Abrechnung.

Ja, und dann kam eine weitere Gelegenheit, öffentlich wirksam aufzutreten: Sponsorensuche, Tombolagaben sammeln, Bühnenproben, Vereinbarungen mit anderen Vereinen und dem Conférencier, Musikverträge, vor allem aber die Suche nach einem alten Klavier erzeugten schon lange Monate voraus für Hektik. Der Anlass war dann ein voller Erfolg! Nicht zu vergessen: Seinerzeit erfolgte die Überfahrt mit dem Kursschiff nach Männedorf und das Ziel war unsere liebenswürdige, alte „Lättlibadi“ mit Frau Fuchs und Franz Strickler „am Ruder“ – über ebendiese Badi, wo unser Training, unsere Kurse und Prüfungen stattfanden, gäbe es auch noch viel zu erzählen. Vielleicht ein andermal...

Der tollen, einmal mehr unfallfreien Seetraversierung folgte dann, in erstmaliger Anwesenheit unserer Heidelberger Freunde, ein spektakulärer „bunter Abend“. Eintrittsgeld inkl. Seetra, Nachtessen, Orchester „Torpedo“ (Gebrüder Hauser) und Unterhaltung: CHF 10.00!

Höhepunkt folgte auf Höhepunkt: Auf der Bühne der VRW-Chor mit dem „Seebuebelied“, der Damenturnverein mit viel Bein, eine schränzende Guggenmusik, VRW-Männerbäuche – seinerzeit noch „Modell Waschbrett“ – mit aufgemalten Gesichtern und Zylinderhüten übergestülpt – und dann eben noch die abschliessende „Zügelnummer“ mit einem Klavier, welches für den Transport zu gross war: unser Freund Kägi spielte tatsächlich auch noch in absoluter Schieflage. Und vor allem die Heidelberger wollten diese Nummer in der Folge immer wieder sehen.

Von späteren Seetraversierungen könnten auch andere SLRG-Kolleginnen und –Kollegen berichten. Nur noch dies: Einmal empfahl uns die Seepolizei – wir waren mit den Teilnehmenden bereits in Männedorf (und natürlich eingefettet) – den Start aufzuschieben, bis sich die Wellen etwas gelegt hätten; das Servicepersonal im nahegelegenen Restaurant war denn auch recht gefordert und zum Glück hatten wir das Portemonnaie dabei… ja und die Rekordtraversierung mit über 900 Teilnehmenden möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Speziell erwähnenswert: Abgesehen von einigen Unterkühlungen verliefen bis heute alle diese anspruchsvollen Anlässe immer unfallfrei. Zu verdanken war und ist dies einer beispielhaften Organisation und der Bereitschaft unzähliger Helferinnen und Helfer. Dass es auch noch weitere Fest-Seetraversierungen zu feiern gab, ist ja klar. Stellvertretend hier ein Bild vom 25-jährigen Jubiläum auf der Au mit Pflichttenü für uns Wädenswiler Rettungsschwimmerinnen und –Rettungsschwimmer.
 

DLRG Heidelberg

Eigentlich bestand mit der DLRG schon vor Walter Krüsis Zeit ein reger Kontakt. Damals pflegten seine Vorgänger einen intensiven Austausch mit Freunden aus dem Raum Waldshut-Tiengen. Nachdem in den Raum Heidelberg „ausgewanderte“ DLRG-Mitglieder zu unserem 10-Jährigen eingeladen worden sind, erfolgte in Walti und Klärli Strebels Bar das Versprechen, uns baldmöglichst wieder zu sehen. Ach, ja, auch über diese „Strebel-Bar“ gäbe es unzählige, gar auch blutige Geschichten zu erzählen. Darüber decke ich aber den Mantel des Schweigens. Also - wie sagt man so schön: „Machen wir Nägel mit Köpfen“. Der seinerzeitige Vorstand, voll im Saft, beschloss daher, der DLRG Heidelberg eine echte Partnerschaft anzubieten, was unsere Freunde in der am Neckar und Odenwald gelegenen Universitätsstadt mit grosser Freude annahmen. Im selben Jahr, am 16./17. Oktober 1965, war es so weit: Mit dem Ehrismann-„Car“ machten wir uns auf den langen Weg. Natürlich in der Bedeutung des Anlasses entsprechend festlichen Aufmachung. Aber lassen wir doch vor allem Bilder sprechen…

Das alte Klubhaus lag direkt am Neckar, was für Neptun, alias Heini Steinbeck, Grund genug war, das Gastgeschenk, eine wunderschöne von ihm gedrechselte Holzflasche, im „Original-kostüm“ und mit entsprechender Ausrüstung zu überbringen. Klar, dass die Partnerschaftsbestätigung bis in die frühen Morgenstunden gefeiert werden musste. Und am Sonntag ging‘s, nach dem Riemenschneider-Altar-Besuch, im auch der heutigen Generation bekannten Bierlokal bei unübersehbar bester Stimmung weiter...

Namen raten ist erlaubt und dürfte spannend sein. In das Schmunzeln beim Betrachten der Bilder mischt sich aber auch Trauer, leben doch einige unserer hier abgebildeten ehemaligen VRW-Freunde nicht mehr. Nun ja, der Abschied an jenem denkwürdigen Partnerschaftsfest lässt sich beinahe als Tragödie bezeichnen! Die Tränen rollten jedoch vor Lachen...
 

Kaltwasserschwimmen

Bevor der Frühling definitiv Einzug hält, grabe ich Erinnerungen an - und Bilder von längst vergangen Kaltwasserschwimmen aus.

1974, ich war damals Regionalvertreter der SLRG, besuchte ich die GV der Zürcher SLRG. Die Zürcher Rettungsschwimmer provozierten mich zur Teilnahme am Weihnachtsschwimmen in Genf. Aber natürlich wollte ich bei dieser Mutprobe nicht alleine sein. Und siehe da: Christine Schreiber, Remo Beck, Heini Hottinger, mein Bruder Werner, Peter Lüdi und Heinz Wanger waren bereit, mich am 21.12.1975 nach Genf zu begleiten. Was wir damals noch nicht wussten – aus dem Ritual bei der ersten Teilnahme wurde eine Tradition mit immer wieder wechselnden Protagonisten:

Anreise mit Auto, Unterkunfts-Bezug, Besuch des marché aux puces (zu Deutsch: Flohmarkt) und der Genfer Gross-Chilbi, feines Entrecôt-Essen in einem vorreservierten Restaurant, Schlummertrunk mit „Absacker“ (oder zwei), Tagwache, Mutmach-Phase und ab nach Les Vernets – wo dann der Mut ab und zu wieder in die Badehosen verschwand. Diese Erinnerungen möchte ich mit Bildern dokumentieren, welches ich teils aus dem eigenen Fundus ausgegraben habe, die aber zur Hauptsache aus dem tollen Album von Ueli Mitschke stammen, welche mithilfe von Martina auf einer CD den Weg zu mir gefunden haben.

Besonders erwähnenswert ist für mich Ueli Mitschkes Rolle im Thema Genfer Weihnachtsschwimmen: Sage und schreibe 25 Mal schaffte Ueli die Teilnahme, meist auch in Begleitung einiger Mit-Wettkämpferinnen und Mit-Wettkämpfern sowie von unermüdlichen Schlachtenbummlern. 1988 nahmen sage und schreibe 19 Kaltwasser-Fans aus Wädi teil! Eine von Uelis treusten Begleiterinnen bei allen Wetter- und Temperaturbedingungen war Barbara Vaucher-Rohner. Ein riesengrosses Kompliment an alle, die die Wädenswiler Farben in Genf so lange und so ehrenvoll vertreten haben!
 
Uelis Kaltwasser-Engagement möchte ich in der Folge einige Impressionen widmen. Ganz zuletzt lüfte ich dann noch das Geheimnis seiner unermüdlichen Reisen nach Genf. Klar, dass Ueli immer bestens vorbereitet an diesen Event reiste: Ach, ja, hier noch das versprochene Motiv für Uelis „Rückkehrer-Syndrom“ – die Nummer 52! Das Bild erschien übrigens in der Tribune de Genève.

Dass Ueli heute noch „allwassertauglich“ ist kann man in Werbespots mitverfolgen. Und auch in der Wandergruppe Zimmerberg ist er immer wieder bereit für überraschende Auftritte…

 
SLRG Wädenswil 2017-09-25 | Martina Camenzind |
Webdesign & CMS by onelook